Buchempfehlungen vom Team der Birsig Buchhandlung

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen jeweils Bücher vor, die uns aufgefallen sind und die wir Ihnen ans Herz legen wollen. Die Beiträge haben wir jeweils ergänzt mit Links zu spannenden Berichten über die Bücher sowie zu Leseproben.

Max häne Empfiehlt Zsuzsa Bánks Roman «Schlafen werden wir Später» 

Die Schriftstellerin Márta lebt mit Mann und drei Kindern in einer deutschen Großstadt. Obwohl sie ihre Kinder über alles liebt, kämpft sie jeden Tag darum, in ihrem Leben nicht unterzugehen und ihre Arbeit gegen die Zumutungen des Alltags zu verteidigen. Ihre Freundin Johanna hingegen, mit der sie seit früher Kindheit eine innige Freundschaft verbindet, ist Lehrerin im Schwarzwald und kinderlos. Statt mit ihrer Doktorarbeit weiterzukommen, kämpft sie mit den Gespenstern ihrer Vergangenheit: mit dem Mann, der sie verlassen hat, mit einer schweren Krankheit, die sie gerade überwunden hat, mit ihrem Vater, der so jung gestorben ist.

Beide Frauen wissen, dass sie noch mehr wollen. Aber was machen sie jetzt mit diesem Leben, dessen Weg sie zur Hälfte schon gegangen sind? Und was macht das Leben mit ihnen?

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>> Ein Beitrag der SRF-Sendung «52 beste Bücher»

Reinhard Kaiser-Mühlecker, «Enteignung» 
 

Nach Jahren auf Reisen kehrt ein Journalist in den Ort seiner Kindheit zurück, an dem er nie heimisch war. Er schreibt für das kriselnde Lokalblatt, er beginnt eine Affäre und arbeitet auf dem Hof eines Mastbauern, dessen Land enteignet wurde. Rätselhaft und faszinierend sind sie, Ines, Hemma, Flor, und sie ziehen ihn hinein in die Kämpfe um ihr Leben, das ihnen weggenommen wird.

Ein existentieller und aufwühlender Roman darüber, wie diese Welt im Umbruch unsere Gefühle und Beziehungen verändert. Reinhard Kaiser-Mühlecker erzählt von einer Zeit tiefer Verunsicherung – er erzählt von unserer Gegenwart. 

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Patrick Deville, «Taba-Taba»

Ein romanhaftes Familienfresko, eine Reise durch Zeit und Geschichte – ein Meisterwerk!

Fünf Romane lang folgte Patrick Deville den Spuren von Forschungsreisenden und Entdeckern, Abenteurern und Revolutionären, Schriftstellern und Hasardeuren rings um den Äquator.

In Taba-Taba verweilt der große Reisende in seinem Mutterland. Er rollt die Geschichte seiner eigenen Familie auf, beginnend mit dem Jahr 1862, in dem die Urgroßmutter als Vierjährige aus Ägypten nach Frankreich kommt, und dem Bau jenes Lazaretts in Mindin, gegenüber von Saint-Nazaire an der Loiremündung, in dem Deville später aufwachsen wird. Mit viel Liebe zum Detail spürt der Autor den Wechselwirkungen zwischen persönlicher und politischer Geschichte nach und fächert vor den Augen des Lesers ein groß angelegtes historisches Panorama auf, das bis in die Gegenwart führt.

Eine meisterhafte Erzählung, wie große Ereignisse das Leben der kleinen Leute prägen und durcheinanderwürfeln.

Der Autor: Patrick Deville, grosser Reisender, mit dem Esprit des Kosmopoliten, wurde 1957 geboren. Er leitet das Maison des Ecrivains Etrangers et Traducteurs (MEET) in Saint Nazaire. Deville ist einer, der sich Zeit nimmt dem Rauschen der Zeit und dem Murmeln der Gespräche zuzuhören. Sein Werk wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Anke Stelling, «Schäfchen im Trockenen»

 

Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab’s nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

«Ob Anke Stelling sich eine gelbe Weste anziehen würde? Eher nicht, dafür ist sie zu subtil, zu scharfsinnig. Aber Wut spricht dennoch aus diesem Buch. Es ist die Wut über diejenigen, die denen da unten zurufen, dass doch jeder seines Glückes Schmied sei.» (SWR Bestenliste im Februar 2019)

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Kenah Cusanit, «Babel»
 

Ein deutscher Archäologe und eine biblische Aufgabe – die Ausgrabung Babylons

1913, unweit von Bagdad. Der Archäologe Robert Koldewey leidet ohnehin schon genug unter den Ansichten seines Assistenten Buddensieg, nun quält ihn auch noch eine Blinddarmentzündung. Die Probleme sind menschlich, doch seine Aufgabe ist biblisch: die Ausgrabung Babylons. Zwischen Orient und Okzident bahnt sich gerade ein Umbruch an, der die Welt bis in unsere Gegenwart hinein erschüttern wird. Wie ein Getriebener dokumentiert Koldewey deshalb die mesopotamischen Schätze am Euphrat; Stein für Stein legt er die Wiege der Zivilisation frei – und das Fundament des Abendlandes. Kenah Cusanits erster Roman ist Abenteuer- und Zeitgeschichte zugleich – klangvoll, hinreißend, klug.

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Leonardo Padura, «Die Durchlässigkeit der Zeit»

In Romanen deckt Kommissar Mario Conde illegale Geschäfte auf. Seine Krimis hätten viel mit der Realität Kubas gemeinsam, sagt der Erfolgsautor Leonardo Padura.

 Bobby, ein alter Freund, taucht aus dem Nichts auf und bittet Mario Conde, ihm zu helfen: Die Schwarze Madonna wurde gestohlen. Sie ist nicht nur deshalb von unschätzbarem Wert, weil Bobbys Vorfahren sie aus den Pyrenäen nach Kuba gebracht haben, sondern auch, weil sie angeblich heilende Kräfte hat. Bobby verdächtigt seinen Ex-Freund, sie mitgenommen zu haben, doch Conde merkt bald, dass Bobby nicht so unschuldig ist, wie er anfangs gedacht hat. Seine Suche führt ihn zu gerissenen Kunsthändlern, in die Unterwelt Havannas und mitten hinein in eine Geschichte, in der Gegenwart und Vergangenheit ineinanderfließen.

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>> Bericht zum Buch vom Hessischen Rundfunk

Gabriel Heim, «Diesseits der Grenze»

Spurensuche in den Archiven der Basler Fremdenpolizei - Zehn Schicksalswege aus dem 20. Jahrhundert

Der Autor und Regisseur Gabriel Heim hat in den Archiven der Basler Fremdenpolizei, dort wo die «Verwaltung des Fremden» die verborgenen Seiten der Stadt bewahrt, recherchiert. Er zeichnet zehn Schicksalswege nach, die zwischen 1925 und 1955 nach Basel geführt haben. Oft sind die Schicksale packend und ergreifend, zuweilen schillernd.

Harry springt 1942 aus dem Deportationszug nach Riga und kommt zwei Monate später zu Fuss in Basel an. Jacky überquert die Grenze als mittelloser Artist, bald darauf feiert ihn das Publikum mit Ovationen. Und wer war Rikichi, der japanische «Blumenmann», an den sich viele in Basel erinnern und den doch keiner kannte?

Der Autor rekonstruiert die Biografien literarisch, die eigenständige Sprachmelodie entsteht durch die Lebensumstände der Protagonisten. Sie intoniert deren Alltag und die Fortführung ihrer Lebensgeschichte jenseits der Aktendeckel: So entsteht ein Lesebuch, das berührt.

>> Mehr zum Buch auf der Website des Verlags 

>> Einen Artikel der "Republik" finden Sie hier

Mira Magén, «Zuversicht»

Nava ist 39, als sie ihre Karriere als Innenarchitektin aufgibt, um als Kassiererin in einem Supermarkt zu arbeiten und sich in einem Seniorenwohnheim einzumieten. Ist sie verrückt? Nein. Nava hat ihren Mann und ihren kleinen Sohn durch einen Unfall verloren. Und mit aller Kraft, die ihr geblieben ist, will sie sich jeder Zukunft verweigern. Doch so sehr sie sich verschliesst, sie zieht Menschen magisch an: Ein krisengebeutelter Kollege schüttet ihr sein Herz aus, die Alten, ihre neuen Nachbarn, wollen ihre Freundschaft, und da sind Männer, die sie verehren und schliesslich – zu ihrer Überraschung – ihre Begierde wieder wecken. Den Schlüssel zu ihrer Seele aber hat Hanan, ihr Bruder, der Tischler, der auf ungewöhnliche Weise alles daransetzt, sie zurückzuholen in den Fluss des Lebens.

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Karl-Heinz Ott, «Und Jeden Morgen das Meer»

Roman. Carl Hanser Verlag, München 2018, 144 S.

«Karl-Heinz Ott kann so ungeheuer viel: Zum Beispiel zeigen, dass es ein Gewinn an Freiheit sein kann, alles zu verlieren, ohne dabei im Selbstfindungskitsch zu landen. Oder das Meer tatsächlich als einen äusseren Spiegel von Gemütszuständen einzusetzen, ohne in den Fertigbaukasten der Metaphern greifen zu müssen.

Darüber hinaus hat Ott, und das ist keine literarische Kategorie, aber ein weiterer Vorzug, ein menschenfreundliches Buch geschrieben.» (Christoph Schröder, Die Zeit)

>> Hier finden Sie einen Beitrag auf SWR

Hanns-Josef Ortheil, «Die Mittelmeerreise»

Im heissen Sommer des Jahres 1967 geht Hanns-Josef Ortheil zusammen mit seinem Vater auf grosse Fahrt. Sie führt auf einem schwer beladenen Frachtschiff von Antwerpen durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer und weiter bis nach Griechenland und Istanbul. Mit an Bord ist – vom Steward über den Funker bis zum Kapitän – eine ganze Gesellschaft im Kleinen. Und auch die Angst fährt im Bauch dieses Ungetüms aus Eisen und Stahl, das auf hoher See in schwere Stürme gerät, beständig mit.

«So schaut man nach dieser häufig auch amüsanten und immer berührenden Reiseerzählung nicht nur anders auf den scheinbar banalen Alltag, sondern gerät durch die Lektüre auf wundersame Weise in intensiven Kontakt mit der eigenen Kindheit und Jugend. Viel mehr an innerer Bewegung kann man von einem Stück Literatur eigentlich nicht erwarten.»(Andrea Gerk, Deutschlandfunk Kultur)

>> Einen Beitrag von Deutschlandradio Kultur finden Sie hier

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Unda Hörner, «1919 - Das Jahr der Frauen»

Sachbuch

1919 war das Jahr der Frauen: Sie haben in der Kunst, in der Kultur und vor allem in der Politik viel bewegt. Davon profitieren wir bis heute. Endlich erinnert ein Buch an die damaligen Heldinnen.

1919 erhalten Frauen in Deutschland erstmals das Wahlrecht und machen sich auf allen Gebieten daran, ihr Leben selbst zu gestalten: Mit Käthe Kollwitz wird erstmals eine Frau in die Akademie der Künste berufen, Maria Juchacz hält als erste eine Rede im Parlament. Während in Berlin Rosa Luxemburg ihren Einsatz für die politische Neuordnung mit dem Leben bezahlt, widmet man sich in Paris der Wissenschaft und Kultur: Marie Curies Radiuminstitut öffnet seine Pforten, Sylvia Beach gründet Shakespeare & Company und Coco Chanel kreiert das unsterbliche Chanel No. 5. Unda Hörner verwebt die Lebenswege und historischen Ereignisse zu einer atmosphärisch dichten Erzählung – eine faszinierende Zeitreise ins Jahr 1919, in dem auf einmal alles möglich schien für die Frauen.

>> Hier geht es zu einem Radiobeitrag zum Buch

Roman Rossfeld, Christian Koller, Brigitte Studer (Hg.)

Der Landesstreik - Die Schweiz im November 1918

Der Landesstreik vor 100 Jahren war eine der schwersten politischen und sozialen Krisen der Schweiz und hat das Land im 20. Jahrhundert geprägt. Pünktlich auf die Gedenktage hin erschien im Verlag Hier und Jetzt ein auf neuen Forschungen basierendes Buch dazu.

Obwohl der schweizerische Landesstreik vom 11. bis 14. November 1918 schon nach wenigen Tagen unter massivem militärischem Druck beendet wurde, gilt er bis heute als eine der schwersten sozialen und innenpolitischen Krisen seit der Gründung des Bundesstaates 1848. Er hat nicht nur die politische Kultur des Landes und die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geprägt, sondern auch den Aufbau des Sozialstaats bis weit in den Kalten Krieg.
Das Buch fragt gezielt dort nach, wo die bisherige Forschung wichtige Lücken hinterlassen hat: bei der Sicherung elementarer Grundbedürfnisse der Bevölkerung, bei der Bedeutung von Frauen und der Frauenverbände, bei regionalen Unterschieden zwischen Stadt und Land oder der geschichtspolitischen Instrumentalisierung des Streiks. Das Buch trägt damit zu einem besseren Verständnis eines der zentralen Schlüsselereignisse der Schweizer Geschichte des 20. Jahrhunderts bei.

>> Mehr zum Landesstreik beim Schweizerischen Sozialarchiv